der BCCS
Agenda
Hundesport
  Geschichte
Agility
Obedience
Sanitätshund
Hütehund
Rettungshund
Begleithund
Schutzhund
   
Zucht/Elevage
Bilder/Berichte
Highlights/Presse
Shop
Links
Kontakt
Literatur
 
 

Der Schutzhund

 
 

Ein von vielen Hundesportlern angestrebtes Ziel bei ihrer hundesportlichen Tätigkeit ist die Ausbildung des Hundes zum Schutzhund. In den Disziplinen Nasenarbeit, Unterordnung und Schutzdienst wird die Vielseitigkeit und Intelligenz des Hundes gleichermassen gefordert und gefördert. Andere Hundehalter verbinden den Schutzhundesport mit den Begriffen „Kampfhund“, Aggression, Scharfmachen etc. und lehnen ihn Grundsätzlich ab.

Richtig betrieben bedeutet es für den Hund Spiel und Kampf um die Beute (und nicht Aggression gegen den Schutzdiensthelfer), Förderung seines wichtigsten Organs, der Nase (deswegen ist der Gebrauchshund für den Menschen auch so wertvoll und nicht wegen dem „Beissen“) sowie die Bereitschaft, sich seinem Führer unterzuordnen. Ich habe einmal gelesen, die Schutzhundeausbildung sei die Krone der Unerordnung. An Hundeführer wie an Hunde werden in der Schutzhundeausbildung sehr hohe Anforderungen gestellt.

Die Ausbildung eines Schutzhundes, der an Prüfungen bestehen soll, erfordert sehr viel kynologischen Sachverstand, Wissen über tierliche Verhaltensweisen, Selbstdisziplin, Geduld, Einfühlungsvermögen und Verantwortung.

Für die Schutzhundeausbildung geeignet sind die Gebrauchs- und Diensthunde-hundrassen wie Belgischer und Deutscher Schäferhund, Rottweiler, Riesenschnauzer, Dobermann, Airedale-Terrier und Bouvier. Aber auch andere Hunderassen und Mischlinge eignen sich, wenn sie gewisse Voraussetzungen mit sich bringen, wie z.B. ein ausgeglichenes Wesen, hoher Beutetrieb, Nervenstärke, mittlere Reizschwelle, eine gewisse Härte und die körperlichen Voraussetzungen (Grösse, Kraft) u.a.m.

Nie sollte jedoch die Schutzhundeausbildung für persönliche, egoistische Ziele und der Hund als Mittel zum Zweck missbraucht werden.

Um einen Schutzhund und seinen Führer auszubilden, müssen umfassend geschulte Helfer zu Verfügung stehen, die den Hund fördern und dem angehenden Schutzhundführer mit Rat und Tat helfen können, wenn es einmal nicht weitergeht.

Das gut funktionierende Training ist das A und O der Schutzhundausbildung. Fehler sollten von Anfang an vermieden werden, weil man sie später - wenn überhaupt - nur mühevoll korrigieren kann. Am wichtigsten dabei ist es, durch ideen- und abwechslungsreiches Training, das auf die Bedürfnisse des einzelnen Hundes zugeschnitten ist, seine Freude an der Schutzhundeausbildung zu fördern und Langweile erst gar nicht erst aufkommen zu lassen. Nur so kann der Hund die gestellten Aufgaben erfüllen. Hier trägt vor allem der gute Schutzdiensthelfer eine grosse Verantwortung gegenüber Hund und Führer.

In der Schweiz kennen wir, neben dienstlichen Prüfungsordnungen, vor allem drei Prüfungsordnungen, in denen der Hund fassen darf und soll.

Es sind die dies:

  • Internationale Prüfungsordnung (IPO), nach der die grossen internationalen Prüfungen (FCI-WM, WUSV-WM, Cacitturniere etc.) beurteilt werden.

  • Die PO 88 der SKG/TKGS, nach der der SchH I – III (neu ab 04 VPG), geprüft wird und auch Schweizermeisterschaften durchgeführt werden, und die

  • Mondioring-PO


Bei der IPO werden Fährte, Unterordnung (Freifolge, Apportieren, Sprünge, Positionen, frei abliegen) und Schutzdienst geprüft, wobei die Exaktheit, Genauigkeit und Perfektheit der Ausführung im Vordergrund stehen.

Beim Schutzhund gem. PO 88 wird neben diesen drei Disziplinen auch das Stöbern nach Gegenständen (je nach Klasse muss der Hund ein markiertes Revier von 900 – 2500 m2 nach drei kleinen Gegenständen absuchen, wobei er keiner Fährte folgen kann). Auch hier stehen Exaktheit, Genauigkeit und Perfektion im Vordergrund.

Bei der IPO und auch beim SchH trägt der Schutzdiensthelfer den Schutzarm als Ziel für das Fassen des Hundes. Über die Einzelheiten und Details der Prüfung geben die entsprechenden Prüfungsordnungen Auskunft.

Im Mondioring fällt die Fährtenarbeit weg. Die Nase kommt lediglich beim Stöbern/Identifizieren von kleinen Hölzchen sowie bei der Suche nach dem „Homme d’attace“ zum Einsatz. Im Gegensatz zur IPO und PO 88 findet der ganze Prüfungsablauf auf einem Platz statt und der Hund hat alle Disziplinen nacheinander zu absolvieren. Im Mondioring stehen auch nicht Exaktheit, Genauigkeit und Perfektion im Vordergrund. Wichtig ist vor allem, dass der Hund die gestellten Aufgaben, die in der Anlage immer ändern, ausführt. Im Gegensatz zu IPO/PO 88 tragen die Schutzdiensthelfer sog. Franzosenanzüge, die dem Hund erlauben, überall am Körper zu fassen. Im Mondioring werden neben der Unterordnung und der Nasenarbeit auch Führer- und Gegenstandsverteidigung, Futterverweigerung sowie Schutzdiensttarbeiten geprüft. Es finden auch Weltmeisterschaften im Mondioring statt. Der aktuelle Weltmeister ist übrigens im Moment ein Schweizer. Das Mondioring ist die eigentliche Domäne des Belgischen Schäferhundes, insbesondere des Malinois.

Schutzdienst und Border Collie

Wer Schutzhundeausbildung und –sport betreiben will, wird sich kaum einen Border Collie anschaffen, sondern sich eher im Bereich der obgenannten Rassen umsehen.

Es ist jedoch zu erwähnen, dass einige Border sehr gute Resultate, insbesondere beim SchH der PO 88, erbrachten und erbringen. Der Border bringt in der Regel einen riesengrossen Arbeitswillen und einen ausgeprägten Beutetrieb mit, der sich mir grosser Führigkeit und Unterordnungsbereitschaft paart, Eigenschaften, die natürlich sehr erwünscht sind. Vielleicht geht ihm etwas Power und Härte ab und auch betreffend Grösse fungiert er eher am unteren Rand.

Wer sich für die Schutzhundeausbildung interessiert, hier einige Merkmale des

"sauberen" Schutzdienstes:

  • der Beissarm ist die Fixierung, nicht der Figurant

  • der Hund lässt sich vor, während und nach dem Schutzdienst vom Figuranten anfassen bzw. streicheln, d.h. der Schutzdiensthelfer ist „Sparringpartner“ und Freund und nicht Gegner

  • Hilfsmittel sind immer auf ein Minimum beschränkt

  • Vor Beginn des Schutzdienstes sollte eine genaue Absprache der Vorgehensweise erfolgen.

  • Während der Arbeit sollte der Ablauf nicht statisch, sondern dynamisch verlaufen.

Der „unsaubere“ Schutzdienst zeigt folgende Merkmale

  • der Hund kämpft um sein Leben, er macht die Flucht nach vorn und wird zum angstaggresssiven Hund

  • der Hund zeigt Übersprungshandlungen, d.h. er fasst den Beissarm als nervlichen Übersprung

  • Hund zeigt sich nach dem Schutzdienst frustriert

  • Hund lässt sich vor, während und nach dem Schutzdienst vom Figuranten nicht anfassen

Wichtig sind auch folgende Punkte

  • Hunde, denen das genetische Potential fehlt oder die trotz Potential keine Freude an der Auseinandersetzung mit dem SDH zeigen, sollten nicht im Schutzdienst geführt werden. Das gleiche gilt auch für allzu aggressive Hunde.

  • Bei Hundeführern, denen die charakterliche und/oder ethische Voraussetzung fehlt, gilt das Gleiche.

  • Ein Hundeführer, der seinen Hund mit einen Stachelhalsband oder mit einem Elektrogerät zum Schutzdienst führt, damit er den Hund in die Unterordnung bekommt, hat bereits versagt, denn

Im Schutzdienst zeigen Hundeführer und Hund ihr wahres Gesicht.

© Jürg Aebli, Hinterkappelen